Relevanz von Lüftungsanlagen in der Wohnungs-Lüftungsnorm

Der seit Anfang 2006 vorliegende Normenentwurf zur Neuregelung der hier relevanten
Lüftungsnorm DIN 1946-6 wurde im Frühjahr 2009 verabschiedet und ist nunmehr als
anerkannte Regel der Technik zu beachten. Der Sachverständige Hans Westfeld hat im folgenden Fachbeitrag die Änderungen der DIN 1946-6 näher erläutert.

Schimmelpilzbefall hat häufig vielfältige Ursachen.
 Schimmelpilzbefall hat häufig vielfältige Ursachen.
Ein häufiges Problem stellt ein unzureichender Wärmeschutz der Gebäudehülle da, insbesondere, wenn durch den Einbau von modernen hoch-wärmedämmenden und dicht schließenden Fenstern in das funktionierende System eingegriffen wurde.
 Ein häufiges Problem stellt ein unzureichender Wärmeschutz der Gebäudehülle da, insbesondere, wenn durch den Einbau von modernen hoch-wärmedämmenden und dicht schließenden Fenstern in das funktionierende System eingegriffen wurde.
Ein Schimmelpilzbefall von > 0,5m² soll nach den einschlägigen Richtlinien nur von zertifizierten Fachfirmen saniert werden.
 Ein Schimmelpilzbefall von > 0,5m² soll nach den einschlägigen Richtlinien nur von zertifizierten Fachfirmen saniert werden.
Der Nutzer kann durch verschiedene Fehlverhalten eine Schimmelpilzbildung begünstigen.<br />
 Der Nutzer kann durch verschiedene Fehlverhalten eine Schimmelpilzbildung begünstigen.
Nicht-Beheizung einzelner Räume (z.B. Schlafzimmer) führt häufig zu Problemen.
 Nicht-Beheizung einzelner Räume (z.B. Schlafzimmer) führt häufig zu Problemen.
Nur mit Hilfe einer Sachverständigen Analyse des Schimmelpilzbefalls können die Probleme gezielt beseitigt werden.
 Nur mit Hilfe einer Sachverständigen Analyse des Schimmelpilzbefalls können die Probleme gezielt beseitigt werden.
Eine Schimmelpilzbildung wird zumeist mit der steigenden Luftigkeit der Gebäudehülle in Verbindung gebracht. Hierzu wurden in den letzten 20 Jahren eine Flut von juristischen Auseinandersetzungen geführt, zumeist zwischen Mietern und Vermietern. Dabei wurde bis dato eine ausreichende Lüftung dem Verantwortungsbereich des Nutzers zugeordnet. Ursächlich war eine fehlende, dezidierte Regelung in den entsprechenden Normenwerken, insbesondere der DIN 4108, die im Teil 2 einen hygienischen Luftwechsel fordert, und im Teil 7 eine luftdichte Bauweise vorschreibt, in dem die Fenster im geschlossenen Zustand nicht mehr zum Luftwechsel beitragen dürfen. Die im Teil 2 der Norm geforderte Luftwechselrate von mindestens 0,5 (ein Luftwechsel in 2 Stunden) dürfte unstrittig als anerkannte Regel der Technik gelten. Jedoch fehlte die Angabe, wie und von wem dieser Luftwechsel sicherzustellen sei.

Es ist evident, dass die 24 Std x 0,5 = 12 empfohlenen Luftwechsel pro Tag der DIN 4108 nicht allein vom Nutzer erbracht werden können (alle 2 Stunden eine Stoßlüftung, insbesondere auch nachts), sodass der freien, permanenten Lüftung über Fugen eine besondere Rolle zukommt. Insbesondere beim Einbau neuer Fensterelemente ist jedoch nach dem Teil 7 der Norm ein nichtkontrollierter Luftaustausch über Fugen nicht zulässig. Somit fällt nach einer solchen Sanierungsmaßnahme ein Großteil der bisher vorhandenen Lüftung weg, und muss nunmehr vom Nutzer „ersetzt“ werden.

Aus den resultierenden Gerichtsurteilen in der jüngeren Vergangenheit ist abzuleiten, dass die damit einhergehende „stillschweigende Vereinbarung“ zu einem stark geänderten Nutzerverhalten als vertragswidrig gewertet wird, und somit vom Nutzer nicht verlangt werden kann. Somit war der Vermieter, bzw. der Architekt oder Handwerker gefordert, einen adäquaten Ersatz für die fehlende Infiltrationslüftung zu stellen. Hierdurch wird eine unzureichende Mindestlüftung zu einem bautechnischen Fehler, der regelmäßig zu Lasten des Eigentümers bzw. Planers geht.

Der seit Anfang 2006 vorliegende Normenentwurf zur Neuregelung der hier relevanten Lüftungsnorm DIN 1946-6 wurde im Frühjahr 2009 verabschiedet und ist nunmehr als anerkannte Regel der Technik zu beachten.

Der Normungsausschuss reagiert hiermit auf die seit 25 Jahren stetig wachsenden Anforderungen an die Luftdichtung der Gebäudehülle, insbesondere der Fenster. Die bisher ungeklärte Frage, wie und durch wen der Wegfall der freien Fugenlüftung zu ersetzen sei, wird durch die überarbeitete Norm nun eindeutig zu Gunsten der Nutzer entschieden. Demnach muss eine Wohnung so geplant und ausgeführt werden, dass auch bei Abwesenheit des Nutzers und geschlossenen Fenstern keine erhöhte Raumluftfeuchte und Schimmelpilzbildung auftreten kann. Das „Lüftungsrisiko“, dass bisher aufgrund der ungeklärten Zuständigkeiten zum Großteil beim Nutzer lag, verschiebt sich somit auf den Planer bzw. Vermieter einer Immobilie. Durch die explizite Einbeziehung von (teil-) sanierten Bestandsgebäuden sind die Lüftungsanforderungen bereits bei einem Fenstertausch in einem Altbau zu gewährleisten.

Für Planer und Handwerker, aber auch für Hausverwalter entstehen hieraus umfassende Hinweispflichten und Haftungsrisiken. Demnach müssen die meisten Neubauten und sanierte Altbauten nach den Anerkannten Regeln der Technik (ARdT) in Zukunft über eine nutzerunabhängige Lüftungseinrichtung verfügen. Da die Einhaltung der ARdT zum Zeitpunkt der Abnahme geschuldet wird, kann nach einem vorliegenden Rechtsgutachten ein Neubau ohne geplante Lüftungseinrichtungen bereits einen Planungsfehler darstellen, sofern er nicht bis zum Februar 2009 abgenommen wurde.

Bei der zwingend herzustellenden luftdichten Gebäudehülle ist der nunmehr explizit vorgeschriebene Luftwechsel über eine reine Fugenlüftung zumeist nicht mehr zu erbringen. Die Einhaltung des Außenluftvolumenstromes ist demnach zu planen und durch Berechnung sicherzustellen und durch besondere Maßnahmen (z.B. Lüftungsanlage) zu gewährleisten.

Dies trifft insbesondere auf Mehrfamilienhäuser zu. Da von Normen die widerlegbare Vermutungswirkung einer Anerkannten Regel der Technik ausgeht, ist nunmehr bei einem Schimmelpilzbefall vom Sachverständigen zu überprüfen, ob die bauliche Mindestlüftung eingehalten wird.

Ist dies nicht der Fall, wäre ein Schimmelpilzbefall bereits nach einer Teilsanierung (z.B. Austausch der Fenster) als bautechnischer Mangel zu werten. Sofern kein Planer involviert ist, sind Regressansprüche gegen den Eigentümer, den ausführenden Handwerker oder die Hausverwaltung zu erwarten.

Unerklärlicherweise ist die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KFW) parallel zur Einführung der neuen Lüftungsnorm von ihrer bisherigen (bauphysikalisch sinnvollen) Prämisse abgewichen, keine Einzelmaßnahmen zu fördern. Derzeit werben die Tischlerinnungen massiv mit einer möglichen 5%igen Bezuschussung eines Fenstertausches durch die KFW, ohne jedoch auf die Auswirkungen der neuen Lüftungsnorm – gerade für Fensterbauer – hinzuweisen. Hier drängt sich der Verdacht von „staatlich geförderten Bauschäden“ auf.


Aufgrund der boomenden staatlich geförderten Sanierungsmaßnahmen im Bestand und der generellen Tendenz zu energiesparenden Maßnahmen ist für die zuvor genannten Berufsgruppen eine Auseinandersetzung mit den Norminhalten und Lösungsansetzen dringend angeraten, um kostspielige Folgeschäden zu vermeiden.

Mit freundlicher Genehmigung des Autor:

Hans Westfeld
Sachverständiger für Schäden an Gebäuden und Schimmelpilze (TÜV Rheinland)
EU-zertifiziert nach DIN EN ISO/IEC 17024
Sachverständiger für angewandte Bauphysik
Gebäude-Energieberater
Niederbrodhagen 12
33613 Bielefeld
Tel: 0521-380 25 88, 780 88 33
Fax: 0521-393 46 81
mailto:info@svb-westfeld.de
http://www.svb-westfeld.de
http://www.schimmelpilz-hilfe-forum.de

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